Planungsoffenheit

Das Moment der Offenheit, die Schüler- und Prozessorientierung sind zentrale Prinzipien der Konzeption von Kunstunterricht. Jeder Unterricht braucht allerdings im Vorfeld planerische Vorüberlegungen, um die an konkreten Inhalten zu erlernenden Kompetenzen festzulegen.

Wie kann eine Form der planerischen Überlegung für einen Kunstunterricht aussehen, in der Räume für unerwartete Prozesse, Impulse und Wege der Schülerinnen und Schüler eröffnet und gleichzeitig notwendige Strukturen, Verbindlichkeiten und Festlegungen seitens der Lehrkraft eingezogen werden?

Es gibt viele Anlässe für Kunstunterricht: ein bildnerisches Mitteilungsbedürfnis, eine ästhetische Wahrnehmung, ein Bild, die ästhetische Gestaltung eines Alltagsobjekt, die Notwendigkeit eines Plakats, eine interessante Kunstausstellung usw.

Sinnvoll ist es, zunächst ein oder zwei Kernaufgaben zu formulieren, um die sich weitere Aufgaben, auch individuell zu entwickelnde Aufgaben, ranken können. Gemeinsam können – nach und nach – weitere fakultative oder optionale Aufgaben zur Differenzierung gefunden werden. Hilfreich ist das Führen eines Kunstheftes oder eines Projekttagebuches, indem die Kinder ihre Arbeitsschritte und Lernwege festhalten.

Voraussetzung für das Einführen neuer bildnerischer Verfahren ist, dass die Lehrkraft selbst über entsprechende Praxiserfahrungen verfügt. Auch für das Einführen bestimmter Kunstwerke ist es erforderlich, dass eine eingehende Werkanalyse vorangegangen ist, denn nur mit fundierter fachlicher Kenntnis lässt sich ein Unterrichtsgegenstand angemessen vermitteln.

 

Folgende Überlegungen dienen der Planung von Kunstunterricht:

  • Existieren bereits Anlässe, denen nachgegangen werden soll? Welcher offene Impuls eignet sich zum Einstieg?
  • Welche Vereinbarungen zu dem Arbeitsvorhaben wie Thema, Sozialform, Materialien, Zeitraum werden im Vorfeld mit den Schülerinnen und Schülern getroffen?
  • Welche Regeln und Rituale gelten im Unterricht?
  • Was bietet der Raum als strukturierte Lernumgebung den Schülerinnen und Schülern auf ihren Lernwegen an?
  • Wie werden die Schülerinnen und Schüler zu der Entwicklung eines eigenen Gestaltungsvorhabens angehalten? Auf welche Weise können sie ihren eigenen Anlass verfolgen?
  • Welche Lehrerrolle ist für diese offenen Gestaltungsprozesse förderlich?
  • Mit welchen Impulsen, kleinen Einführungen oder Differenzierungsmöglichkeiten können die Schülerinnen und Schüler in ihren Gestaltungsvorhaben unterstützt werden?
  • In welcher Form können die Prozesse von den Schülerinnen und Schülern reflexiv dokumentiert werden?
  • Welche Methoden der Reflexion und Rückmeldung bieten sich an?
  • Anhand welcher Kriterien und in welcher Form werden die Schülerergebnisse bewertet?
  • Wie werden die Prozesse und Arbeiten präsentiert?

 

Während des Kunstunterrichts ist ein regelmäßiger Blick auf die Planungsüberlegungen sinnvoll, um alle Eckpfeiler des komplexen Vorhabens im Blick zu behalten. Gleichzeitig sind Änderungen, Ergänzungen und Erfahrungswerte, die sich aus dem Prozessgeschehen entwickelt haben, einzuarbeiten und damit im weiteren Verlauf des Unterrichtsgeschehens einzubeziehen.

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